Aug 13, 2008
Jazz At Monterey
Als eines der ältesten Jazzfestivals der Welt feierte das Monterey Jazz Festival 2007 sein 50jähriges Jubiläum. Seit es 1958 auf Initiative von Radio-DJ Jimmy Lyons und Kritiker Ralph J. Gleason ins Leben gerufen wurde, ging es ohne Ausnahme jedes Jahr im kalifornischen Monterey auf dem Marktgelände und in der benachbarten Sportarena über die Bühne. Gleich beim ersten Festival präsentierten Lyons und Gleason Stars wie Dizzy Gillespie, Louis Armstrong und Billie Holiday. Im Laufe seiner 50jährigen Geschichte ist das Festival natürlich enorm gewachsen. Heute finden die Konzerte an drei Tagen parallel auf neun Bühnen statt und ziehen durchschnittlich 45.000 Zuschauer an.
Das rund 160 km südlich von San Francisco gelegene malerische Küstenstädtchen, das selbst nur knapp 30.000 Einwohner zählt, steht drei Tage lang ganz im Zeichen des Jazz. Zur Feier des 50jährigen Jubliäums hoben die Festivalverantwortlichen (im Ausschuß sitzt übrigens auch Clint Eastwood) in Zusammenarbeit mit der Concord Music Group das Label Monterey Jazz Festival Records (MJFR) aus der Taufe.
Bereits vor zehn Jahren hatte Tim Jackson, der seit 1991 Programmdirektor ist, mit dem Produzenten Orrin Keepnews eine drei CDs umfassende Compilation mit Live-Mitschnitten aus der Festivalgeschichte zusammengestellt (das Album "Monterey Jazz Festival - 40 Legendary Years" erschien damals bei Malpaso Records, einem Ableger von Warner Bros.). Die Aufnahmen stammten aus dem Schallarchiv des Braun Music Center der Stanford University und wiesen damals schon merkliche Verfallserscheinungen auf. Dank eiligst gesammelter privater Spenden konnte Jackson inzwischen sämtliche Aufnahmen (insgesamt gut 2.000 Stunden Musik) digitalisieren. Um sie den Jazzfans zugänglich zu machen, wurde schließlich ein eigenes Label gegründet, auf dem pünktlich zur 50-Jahres-Feier die ersten sechs CD mit historischen Live-Aufnahmen erschienen.
Nun gibt es Anfang August, bevor das Festival in die 51. Runde geht, den zweiten Schwung mit sechs bislang unveröffentlichten Live-Aufnahmen von Art Blakey und den Giants Of Jazz, Dave Brubeck, Shirley Horn, Tito Puente, Cal Tjader und dem Bluessänger Jimmy Witherspoon gemeinsam mit Gitarrist Robben Ford.
Art Blakey & The Giants Of Jazz - Live At The 1972 Monterey Jazz Festival
Musiker: Art Blakey - drums / Sonny Stitt - alto & tenor saxes / Roy Eldridge - trumpet / Clark Terry - trumpet & flugelhorn / Kai Winding - trombone / Thelonious Monk - piano / Al McKibbon - bass
Songs: Blue 'n' Boogie / 'Round Midnight / Perdido / Stardust / Lover Man / I Can't Get Started With You / The Man I Love / A Night in Tunisia
Aufnahmejahr: 1972
The Giants Of Jazz war, so schreibt der Kritiker Doug Ramsey im Begleittext zur CD, die großartigste reisende Jam-Session-Band seit den Glanztagen von Norman Granz' legendären Jazz At The Philharmonic-Sessions. Die Band existierte nur ein gutes Jahr und vereinte unter der Federführung des Schlagzeugers Art Blakey sechs der wichtigsten Musiker der Jazzära nach dem zweiten Weltkrieg: Saxophonist Sonny Stitt, die Trompeter Roy Eldridge und Clark Terry, Posaunist Kai Winding, Pianist Thelonious Monk und Bassist Al McKibbon. Jeder dieser Musiker spielte im Jazz eine zentrale Rolle und alle, bis auf den Bassisten, waren Leader einer bedeutenden eigenen Band gewesen. Für die Tournee mit diesem einzigartigen Ensemble, das die Bezeichnung All-Star-Band in jeglicher Hinsicht verdiente, stellten sie ihre eigenen Projekte bereitwillig einmal zurück. Das Repertoire dieser Giganten des Jazz bestand aus Bebop-Klassikern und ausgesuchten Jazzstandards, aufregenden Swing-Nummern und berauschenden Balladen.
Dave Brubeck - 50 Years Of Dave Brubeck: Live At The Monterey Jazz Festival, 1958-2007
Musiker: Dave Brubeck - piano / Paul Desmond - alto sax / Gerry Mulligan - baritone sax / Bill Smith - clarinet / Eugene Wright - bass / Joe Morello - drums / u.a.
Songs: Two Part Contention / Someday My Prince Will Come / Take Five / Sermon On The Mount / Jumping Bean / Tritonis / Goodbye Old Friend / I Got Rhythm / Sleep / Margie
Aufnahmjahre: 1958 bis 2007
Diese Zusammenstellung bietet einen außergewöhnlichen Überblick über die gemeinsame Geschichte des Pianisten Dave Brubeck und des Monterey Jazz Festivals. Im Gegensatz zu den meisten anderen CDs dieser Reihe beschränkt sich das Material hier nicht auf den Konzertmitschnitt eines einzelnen Jahres, sondern erstreckt sich über eine Zeitspanne von rund 50 Jahren. Brubeck gehörte zu den Künstlern, die schon beim ersten Monterey Jazz Festival 1958 auftraten, und auch beim letztjährigen Jubiläumsfestival war er wieder mit von der Partie. Auch in den Jahrzehnten dazwischen präsentierte sich Brubeck in Monterey immer wieder: mit ambitionierten Originalen und den weltbekannten Hits seines Quartetts, in historischen Partnerschaften und spontanen Begegnungen.
Shirley Horn - Live At The 1994 Monterey Jazz Festival
Musiker: Shirley Horn - piano & vocal / Charles Ables - bass / Steve Williams - drums
Songs: Foolin' Myself / The Look Of Love / How Am I To Know? / L.A. Breakdown (And Take Me In) / Nice 'N' Easy / A Song For You / I've Got The World On A String / Here's To Life / Hard Hearted Hannah / Blues For Big Scotia
Aufnahmejahr: 1994
1994, als Shirley Horn gerade ihren 60. Geburtstag gefeiert hatte, wurde die singende Pianistin von Tim Jackson erstmals zum Monterey Jazz Festival eingeladen. Gut im Ohr hatte das Publikum, das ihren Auftritt in Monterey erlebte, da noch die grandiosen Interpretationen von Horns letztem Album "Light Out Of Darkness (A Tribute To Ray Charles)". Bei ihrem Konzert beschränkte sich die Künstlerin, die mit ihren gewohnten Begleitern (Bassist Charles Ables und Drummer Steve Williams) auftrat, aber nicht auf dessen Repertoire, sondern bot einen wunderbaren Querschnitt ihres gesamten musikalischen Programms.
Tito Puente & His Orchestra - Live At The 1977 Monterey Jazz Festival
Musiker: Tito Puente - timbales & direction / u.a.
Songs: Para los rumberos / Oye como va / Babarabatiri / Delirio / Tito's Odyssey / Don't You Worry 'bout A Thing (Cha Cha Cha) / Pare cochero / El rey del timbal / Picadillo
Aufnahmejahr: 1977
Der 2000 gestorbene Tito Puente war für die hohe Qualität seiner Musik ebenso berühmt wie für seine Innovationsfreude und musikalische Neugier. Als Bandleader und Perkussionist setzte er im Bereich der Latin-Musik neue Standards; seine Auftritte lebten von seinem Charisma und als Timbales-Virtuose war er schlichtweg atemberaubend. Oft schlug er Brücken von der afro-karibischen Musik zur amerikanischen Popmusik. 1977 trat Puente mit seinem damals 15köpfigen Orchester das erste Mal beim Monterey Jazz Festival auf und eroberte das Publikum dabei im Sturm.
Cal Tjader - The Best Of Cal Tjader: Live At The Monterey Jazz Festival, 1958-1980
Musiker: Cal Tjader - vibraphone, percussion & direction / Clark Terry & Dizzy Gillespie - trumpets / Buddy DeFranco - clarinet / Vince Guaraldi & John Lewis - pianos / Michael Wolff - electric piano / Al McKibbon & Richard Davis - basses / Willie Bobo - drums & timbales / Mongo Santamaria, Armando Peraza & Poncho Sanchez - congas / u.a.
Songs: Summertime / Now's The Time / Cubano Chant / Tumbao / Manteca / Afro Blue / If You Could See Me Now / Speak Low
Aufnahmejahre: 1958 bis 1980
Als entspannter Musiker mit einem natürlichen Sinn für Songs, Raum und Swing war der Vibraphonist Cal Tjader gleichermaßen versiert im Jazz, der afro-kubanischen Musik und anderen lateinamerikanischen Stilen und verstand es diese Genres auf zwanglose Art zu kreuzen. Dem Amerikaner mit schwedischen Vorfahren waren die verschiedensten Rhythmen ins Blut übergegangen. Außerdem besaß er ein hervorragendes Ohr für Melodien und Harmonien. Und so meisterte er die unterschiedlichsten Musikarten - Blues, Bolero, Mambo, Bebop und Bossa Nova - stets mit Stil, Geschmack und Feeling. So wie auf dieser Compilation, die Highlights aus 23 Jahren bietet.
Jimmy Witherspoon featuring Robben Ford - Live At The 1972 Monterey Jazz Festival
Musiker: Jimmy Witherspoon - vocals / Robben Ford - guitar & alto sax / Paul Nagel - electric piano / Stan Poplin - bass / Jim Baum - drums
Songs: I'm Gonna Move To The Outskirts Of Town / S.K. Blues / Kansas City / Goin' Down Slow / Walkin' By Myself / Ain't Nobody's Business What I Do / I Want A Little Girl / I Don't Know / Early One Morning (incomplete) / Reds And Whiskey / Bonus Track: When I Been Drinkin'
Aufnahmejahr: 1972
"Spoon", so erinnert sich Robben Ford im Booklet der CD, "hatte das Publikum immer fest im Griff, und dieser Auftritt stellte keine Ausnahme dar. Als unsere Zeit um war und sich der Vorhang schloß, zog Spoon ihn wieder auf. Wir spielten noch ein Stück, der Vorhang schloß sich erneut und Spoon zog mich an den vorderen Bühnenrand, während die Band hinter dem geschlossenen Vorhang spielte. Irgendein Hippie kam plötzlich mit einem Altsaxophon an den Bühnenrand und reichte es mir. Spoon meinte daraufhin nur: 'Du glaubst wohl nicht, daß der das spielen kann, he?' Er forderte mich auf darauf zu spielen und das ganze Publikum flippte schier aus. Spoon war ein Entertainer par excellence!" Zu hören ist Jimmy Witherspoon auf diesem Album aber nicht nur im Zusammenspiel mit dem damals erst 21jährigen Robben Ford, sondern in einem 1959 aufgenommenen Bonus-Track auch mit einer All-Star-Jazz-Besetzung, bestehend aus den Tenorsaxophonisten Coleman Hawkins und Ben Webster, Trompeter Roy Eldridge, Klarinettist Woody Herman, Pianist Earl "Fatha" Hines, Bassist Vernon Ashley und Schlagzeuger Mel Lewis.





